BDS: Kein Roger in Ramallah

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Viele Musiker unterstützen die BDS-Kampagne und treten nicht in Israel auf. Vor Palästinensern mögen sie ihre Sangeskünste jedoch auch nicht präsentieren.

Roger Waters, der Mitgründer von Pink Floyd, ist ein engagierter Mann. Er hat eine Oper über die Französische Revolution geschrieben, veröffentlich Alben mit nachdenklichen und kritische Texten und sieht sich als Freund der Palästinenser: Waters unterstützt die antisemitische BDS-Kampagne, die Abkürzung steht für „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“, die es sich zum Ziel gemacht hat, Israel wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell zu isolieren. Auch bei seinen gerade absolvierten Konzerten in Berlin hat er nicht vergessen, Israel zu kritisieren: Mehr noch, er beschwerte sich auch über alle, die es wagten, ihn wegen seines Werbens für BDS zu kritisieren. Ob der WDR, die jüdische Aktivistin Malca Goldstein oder Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung: Wer sich gegen den Popstar stellt, bekommt sein Fett weg. Wer es für nicht akzeptabel hält, dass Waters und seine Mitstreiter Musiker und andere Künstler zum Teil massiv unter Druck setzen, um sie von Auftritten in Israel abzuhalten, darf von Waters keine Gnade erwarten.

Us+Them

Waters ist ein glühender Israelkritiker. Israel diskriminiert seiner Ansicht nach die Palästinenser, und deren Leid rührt Waters an. Irgendwie. Scheinbar. Denn obwohl er für die Sache der Palästinenser brennt wie einer der Autoreifen, die Hamasaktivisten seit Wochen gegen den Grenzzaun werfen, der Israel vor Angriffen palästinensischer Terroristen schützen soll, tritt Waters nicht bei seinen Schützlingen auf. Seine aktuelle „Us+Them Tour“ führt ihn in 23 Länder: Große wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien stehen ebenso auf der Liste wie Litauen und Dänemark. Aber Gaza? Oder die Westbank? Fehlanzeige. So groß scheint seine Begeisterung für die Palästinenser nun auch wieder nicht zu sein, dass er sich herablässt, vor ihnen ein Konzert zu geben.

Waters ist damit nicht alleine: Auch andere BDS-Bands wie Massive Attack oder die Young Fathers sind gerade auf Tour, ziehen von Land zu Land und werben immer wieder für den Boykott Israels. An ihre palästinensischen Fans, deren Wohl ihnen angeblich so am Herzen liegt, denken sich nicht: In den palästinensischen Autonomiegebieten sind keine Konzerte geplant.

Felix Klein hält BDS „für eine antisemitische Strömung“ und steht mit dieser Ansicht nicht alleine da. Die meisten jüdischen Organisationen, der Staat Israel und viele, die sich gegen Judenhass engagieren, teilen diese Einschätzung ebenso wie die CDU oder die Stadt Frankfurt.

Hauptsache gegen Israel

All die Bands, die BDS unterstützen (und ihr Guru Waters vorneweg) setzen sich nicht für die Palästinenser ein. Sie tun nichts, um ihr Leben zu verbessern, ihre Freiheiten zu vergrößern. Sie sorgen noch nicht einmal dafür, dass die Palästinenser etwas Spaß haben – zum Beispiel durch Auftritte. Oder wären sie im sittenstrengen Gaza-Streifen und bei der korrupten Fatah in der Westbank am Ende gar nicht gerne gesehen? Auch das wäre ja ein Thema, für das man streiten könnte: Der Kampf um das Recht auf Party verschaffte den Beastie Boys immerhin einen Welthit.

Waters und seine Epigonen streiten nicht für die Palästinenser, sie kämpfen gegen Israel. Die Palästinenser sind nur das Vehikel, das genutzt wird, um antisemitische Ressentiments auszuleben. Hinter ihnen können sich die Judenhasser verstecken. Und die Palästinenser sind ihnen nicht einmal einen Auftritt wert.




Stefan Laurin mochte schon als Kind nicht, wenn andere ihm sagten, was er tun soll und was nicht. Laurin wohnt in Bochum und arbeitet als freier Journalist unter anderem für Die Welt, Die Welt am Sonntag, die Jüdische Allgemeine, die Jungle World und Correctiv. Nebenbei ist er Herausgeber des Blogs Ruhrbarone und legt sich mit allen an, die Spaß daran haben, anderen Menschen ihre Freiheit zu nehmen.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com